Die Nenngröße S ist eine Baugröße im Modelleisenbahnbau, welche zwischen 1956 und 1966 vom VEB Metallwarenfabrik Stadtilm (ehemals Firma Liebmann) hergestellt wurde. Der verwendete Maßstab beträgt 1:64.
Spurweiten
Für den Maßstab 1:64 (Nenngröße S) sind in der NEM 010 folgende Spurweiten festgelegt:
Spur Bezeichnung Spurweite Spurweite im Original
S Normalspur 22,5 mm 1250 bis 1700 mm
Sm Meterspur 16,5 mm 850 bis <1250 mm
Se Schmalspur 12 mm 650 bis <850 mm
Sf Feldbahn 9 mm 400 bis <650 mm
VEB Metallwarenfabrik Stadtilm
Bereits 1938 plante Carl Liebmann den Bau einer Modellbahn der Nenngröße 0 mit 24-V-Motor. Durch den Zweiten Weltkrieg wurde dieses Vorhaben jedoch zunächst gestoppt.
Nach dem Krieg gründete er in Stadtilm (Thüringen) die Firma Carl Liebmann Metallwerke, welche die Bahn nach den Plänen von 1938 baute.
Durch die Enteignung der Betriebe und Fabriken in der DDR wurde die Firma Liebmann, die unter anderem Modelleisenbahnen der Nenngröße 0 herstellte, 1951 in die VEB Metallwarenfabrik Stadtilm überführt.
Um 1955 wurde die Produktion der Modelle der Nenngröße 0 eingestellt und an die Firma Zeuke & Wegwerth verkauft. Ab 1956 begann in Stadtilm die Produktion der Modelle der Nenngröße S.
Die Lokomotiven wurden zum Teil in zwei Versionen gebaut: Mit einem 12-V- bzw. mit einem 4,5-V-Gleichstrommotor.
Erstere wurden mit einem Transformator, letztere mit einer Flachbatterie oder einem Netzanschlussgerät betrieben.
Bereits seit Beginn der Produktionsaufnahme wurden die Gehäuse aller Triebfahrzeuge aus Kunststoff hergestellt.
Das Fahrgestell besteht aus Blech, einige Details und die Kupplungen aus Metall.
Die Waggons wurden überwiegend aus Blech unterschiedlicher Qualität hergestellt.
Diese Materialschwankungen führte dazu, dass man das gebräuchliche Lithographieverfahren nicht einsetzen konnte.
Stattdessen wurden die Modelle zunächst lackiert und später mit Abziehbildern versehen. Hier kam es ebenfalls zu diversen Ungenauigkeiten, so dass die verwendeten Farbtöne sehr unterschiedlich ausfielen und die Abziehbilder zum Teil an falscher Stelle oder sogar verkehrtherum aufgeklebt wurden.
1964 wurde die Produktion der Bahnen der Nenngröße S in Stadtilm eingestellt, jedoch wurde in anderen Betrieben weiterhin Zubehör hergestellt, so dass es teilweise noch bis in die 80er Jahre erhältlich war.
Heute gehören die ehemaligen Betriebsgebäude der VEB Metallwarenfabrik Stadtilm zum Gelenkwellenwerk GEWES GmbH.
Weitere Hersteller
Die Metallspielwarenfabrik Weimar (MSW) stellte ebenfalls Loks, Waggons und Zubehörteile für die Nenngröße S her, jedoch wurden an einigen Stellen Vereinfachungen an den Modellen vorgenommen, so dass sich sowohl Herstellungs- als auch Materialaufwand verringerte.
Auch andere volkseigene Betriebe stellten Zubehörteile für Nenngröße S Modellbahnen her.
Dabei handelte es sich jedoch nicht um Loks oder Waggons, sondern um Accessoires wie Häuser, Andreaskreuze, Schilder und Figuren.
In Nürnberg wurden neben Modellen der Nenngröße 0 ebenfalls einige Fahrzeuge der Nenngröße S von der Firma Karl Bub hergestellt.
Faller-AMS
Der Schwarzwälder Hersteller Faller hatte Ende der 1950er Jahre in den USA eine Lizenz für eine elektrische Autobahn mit Spurrillenführung („Slotcar“) erworben, die er ca. zwei Jahrzehnte lang unter dem Namen „Faller AMS“ (Auto-Motor-Sport) als Zubehör für die Eisenbahn-Nenngröße H0 anbot.
Besser aber passt dies System zur Nenngröße S, denn der Maßstab der elektrisch angetriebenen Faller-Modellautos ist ungefähr 1:67 und so deutlich größer als H0.
Es existieren (für den Maßstab H0) sogar kombinierte Anwendungen mit Bahnübergängen und einer Verladung von Autos auf Eisenbahnflachwagen.
Figuren und Zubehör Spur S erhalten Sie durch klicken auf das Bild

